Schnipsel aus dem ersten Kapitel

Zeit für einen Textschnipsel! Ein ungeschönter Blick auf meinen Rohtext, frisch aus meiner Schreibwerkstatt:

 

»Weinbrand, bitte.« Grimmig ließ Fahrys seine Satteltaschen neben dem Tresen fallen und nahm auf dem abgewetzten Barhocker Platz ohne die Kapuze zurückzuschlagen. Er war sich den vielen, neugierigen Blicken der Gäste bewusst, ignorierte sie aber geflissentlich. Sicherlich erregte seine angesengte, mit Blut befleckte und schmutzige Kleidung Aufmerksamkeit, allerdings bot sie ihm deutlich mehr Sicherheit als die Magierroben, die er für gewöhnlich trug.
Verächtlich musterte der Wirt ihn und zog die linke Augenbraue hoch. »Könnt Ihr denn auch bezahlen?«
Fahrys atmete tief ein und aus. Seine Finger bebten, als er sie zu einer Faust schloss. »Weinbrand, sagte ich. Sofort!«
Ein schwaches, braunes Licht flackerte über seine Haut und die Wut, die wie ein Kanonenschuss in ihm aufwallte, verlieh seinen Worte Nachdruck. Wie zufällig schlug er seinen Mantel zurück, zückte blitzschnell eins seiner Messer und rammte es seinem ahnungslosen Gegenüber zwischen die Finger.
Vibrierend blieb die Klinge im Holz des Tresens stecken.
Der Wirt erbleichte. »Sehr wohl, mein Herr.« Verängstigt angelte er nach einem sauberen Glas und schenkte seinem Gast ein. Vorsichtig schob er es ihm hinüber und wollte sich bereits der nächsten Bestellung zuwenden, als Fahrys die Hand nach ihm ausstreckte und am Arm festhielt. »Lass die Flasche gleich hier.«
Der Mann kam seiner Aufforderung nach, auch wenn ihm das Widerstreben ins Gesicht geschrieben stand.
Fahrys ließ ihn los und leerte das Glas mit einem Zug. Der Alkohol brannte ihm auf der Zunge und er behielt ihn kaum lange genug im Mund, um die samtig fruchtige Note zu genießen, für die sein Rachenputzer überall im Land bekannt war. Schnell goss er nach und schluckte das Gebräu erneut ohne innezuhalten. Ein warmes, betäubendes Gefühl breitete sich in seiner Magengrube aus und verdrängte den Kummer, der sich seit Tagen unerbittlich wie ein hungriger Wolf in seine Eingeweide fraß.
»Das macht ihn auch nicht wieder lebendig.« Eine Frauenstimme riss ihn aus seiner Schwermut.
Alarmiert hob Fahrys den Kopf. »Sedrag.« Der Name seines Gegenübers löste ein unangenehmes Kratzen in seinem Hals aus.
Erschrocken hob die Angesprochene ihren Zeigefinger an die Lippen. »Nicht so laut, zum Henker! Es hat mich den ganzen verfluchten Tag gekostet, meine auffälligen Roben gegen
die Kleidung einer gut bezahlten Arbeiterin einzutauschen.« Angespannt sah sie sich im Schankraum um.
Die Menschen stellten den überwiegenden Teil der Besucher, aber es waren auch vereinzelte Ephraym und ein paar Magier unter ihnen.
Desinteressiert folgte Fahrys ihrem Blick. »Das glaube ich kaum. Schau sie dir doch an: Sie essen, saufen und rauchen, als wäre dein Vater nie in einem Krieg gestorben, den er Zeit seines Lebens zu verhindern versuchte.« Frustriert deutete er auf drei Magier, die nur zwei Tische entfernt saßen. Sie alle waren rot vom Wein und in bester Stimmung.
»Vielleicht wissen sie es noch nicht«, versuchte Sedrag ihr Verhalten zu erklären. Besonders überzeugend klang sie dabei nicht.
»Das glaubst du ja selber nicht.« Verdrossen füllte Fahrys sein Glas erneut. »Willst du auch einen?« Ohne auf ihre Antwort zu warten, schob er es ihr hinüber.
»Ich wusste gar nicht, dass du so viel trinken kannst.«
Er stöhnte und rieb sich die Schläfen. »Ich auch nicht. Es war eine anstrengende Reise.« Die Art, wie er das letzte ihrer Worte betonte, ließ anklingen, wie schlecht er auf die letzten fünf Tage zu sprechen war. »Aber es tut gut dich zu sehen. Ist dir auch niemand gefolgt?«
Sedrag machte eine lapidare Handbewegung. »Wer interessiert sich schon für eine Frau mit Ruß beschmutzten Wangen und Öl an den Händen? Bisher ahnt niemand wen sie vor sich haben. Lassen wir sie lieber in dem Glauben.« Sie hob ihr Glas, um mit ihrem Freund anzustoßen. »Auf meinen Vater!«
Fahrys beeilte sich, es ihr mit der Flasche gleich zu tun. »Auf alle, die wir verloren haben.«

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